Quasseln in der Lehrerfortbildung

In Jochen Lüders‘ Blog las ich eben einen interessanten Beitrag, wie man das Quasseln von Schülern im Unterricht der gymnasialen Oberstufe unterbinden kann. Da fiel mir ein Erlebnis ein, dass ich vor ein paar Wochen machen durfte: Ich hospitierte bei einer Fortbildung für Lehrer, die an Berufskollegs für Mediengestalter unterrichten. Der Grund, warum ich dabei war, ist, dass ich evtl. demnächst selber solche Fortbildungen geben werde. Aber dazu demnächst vielleicht mehr.

Was mich doch sehr erstaunte, war die Tatsache, dass die anwesenden Lehrer hemmungslos herum quatschten, schwätzten und quasselten, was das Zeug hielt. Es war auch absolut unerheblich, dass ein Referent vor ihnen stand, dessen Aufgabe es war, den anwesenden Lehrern Inhalte zu vermitteln. Und von eben diesen Inhalten hatte die meisten der Anwesenden nicht einen blassen Schimmer. Es wäre also nicht unklug gewesen, auch mal zuzuhören. Was mich aber vielmehr erstaunt hat, mit welcher Selbstverständlichkeit gequatscht wurde und der Seminarleiter stellenweise vollkommen ignoriert wurde. Diesen jedoch habe ich bewundert, denn er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und trug seinen Stoff vor.

Umso mehr musste ich dann bei o.g. Blog-Artikel lachen, als ich den dritten Punkt las:

Zur Wahl stellen, ob sie ihr Aufmerksamkeitsproblem als (fast) erwachsene junge Menschen selber in den Griff bekommen möchten oder ob Du ihnen eine Hilfeleistung geben musst, die ihnen vielleicht nicht gefällt. Wenn sie selber wollen, fragen WIE – bloße Absichtsbekundung ist zu billig.

Vor allem, dass von (fast) erwachsene junge Menschen die Rede ist. Berufsschul-Lehrer sind aber schon erwachsen und sie schaffen es anscheinend auch nicht, mal 90 Minuten am Stück ihren Schnabel zu halten. Ich bin mal gespannt, wie es mir ergeht, wenn ich das erste Mal bei einem Seminar vor Lehrern stehe und ob ich den einen oder anderen Tip aus Jochens Blog vielleicht auch bei Lehrern anwenden kann…

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5 Kommentare zu Quasseln in der Lehrerfortbildung

  1. Jochen sagt:

    > Diesen jedoch habe ich bewundert, denn er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und trug seinen Stoff vor.

    Wäre es nicht besser gewesen, er hätte seinen Vortrag unterbrochen und das respektlose Verhalten der Lehrer angesprochen? Ich habe bei ähnlichen Situationen darum gebeten, dass Leute, die nur quatschen wollen, bitte sehr den Raum verlassen mögen, damit ich unter aktzeptablen Bedingungen weitersprechen kann. Den Mut dann rauszugehen haben die allerwenigsten Lehrer, aber man kann dann wenigstens normal weitermachen.

  2. Ingo sagt:

    @Jochen:
    Ich hätte es auch so gemacht bzw. werde es in der Zukunft so machen, wie Du es vorgeschlagen hast, um die Lehrer um Ruhe zu bitten.

    Bewundert habe ich trotzdem die Ruhe des Seminarleiters. Ganz in dem Sinne: „Ich bekomme meine Geld, ob jemand zuhört oder auch nicht. Und ich kenne mich mit dem Thema, das ich hier vortrage, auch aus.“

  3. Pingback: Software-Wahnsinn | Lehrer-Fortbildungen: Kurzer Erfahrungsbericht

  4. Kleintraktor Handel sagt:

    Würde ich nicht machen. Wenn man die Schüler auf seine Seite bringen möchte muss man ihnen Vertrauen geben, Respekt entgegenbringen. Mit einem netten Verhalten erreicht man mehr als man denkt.

  5. Ingo sagt:

    Nur mit nettem Verhalten erreicht man nicht alles. Da ich nicht „every body’s darling“ sein möchte, kann ich es mir auch erlauben einfach mal dazwischen zu grätschen…

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