Gedanken zum Welttag des Buches

Heute ist der Welttag des Buches. An und für sich noch kein besonders bloggenswertes Ereignis. Auch wenn mir Gedenk- und Aktionstage sonst eher am Ar gleichgültig sind, habe ich mir ein paar Gedanken zu Büchern und zum Lesen im Allgemeinen gemacht.

Mir fällt immer mehr auf, wie wir ein Volk der „Nicht-Leser“ werden. Warum das so ist, ist mir noch nicht so ganz klar. Hier aber mal meine Thesen / Überlegungen:

  1. Wir leben in einer immer stärker medial überfluteten Welt. Während in meiner Jugend und Kindheit ein Radio im Hintergrund dudelte (das tut es heute immer noch), läuft immer häufiger ein Fernseher im Hintergrund. An sich nichts Schlimmes. Aber wie soll man Lesen und gleichzeitig noch dem Geflimmer auf der Mattscheibe folgen?
  2. Hörspiele sind der Feind des Kinder- / Jugendbuches! Ich weiß, dass dies eine gewagte These ist. Ich versuche sie aber zu begründen: Als ich noch ein kleines Kind war und noch nicht lesen konnte, da wurde mir vorgelesen. Daraus ist natürlich der Wunsch entstanden, selber lesen zu können. Und seitdem ich dann durch die Grundschule des Lesens mächtig war, habe ich so ziemlich alles konsumiert, auf dem Buchstaben aufgedruckt war. (Kleine Anekdote am Rande: Es war auch ein Lexikon darunter, welches ich zum Geburtstag geschenkt bekam, während wir im Urlaub waren. Irgendwann ging mir der sonstige Lesestoff aus und dann habe ich halt das Lexikon durchgelesen 🙂 ) Meine These: Ein Hörspiel ist quasi ein „vorgekautes“ Buch und man braucht sich nicht mehr so stark konzentrieren = ist doch einfacher und angenehmer als ein Buch.
  3. Hörbücher sind die Steigerung des Hörspiels. Es wird mir ein Buch vorgelesen. Nun mag das in cubanischen Zigarrenfabriken recht praktisch und immer noch modern zu sein – mein Fall ist es jedenfalls nicht. Ich muss auch zugeben, dass ich ein Hörbuch wesentlich anstrengender finde, als selber zu lesen. Wenn ich bei einem Buch kurz abgelenkt bin, kann ich ohne Probleme den letzten Satz noch einmal lesen. Beim Hörbuch muss ich dazu aber zurück spulen. Ich habe auch schon versucht im Auto ein Hörbuch zu konsumieren. Der Versuch ging bei mir gründlich in die Hose: Ich konzentriere mich primär auf den Verkehr und bekomme vom Vorgelesenen nur die Hälfte mit.
  4. Lesen ist eine entspannte und entspannende Sache, wenn man denn nur häufig und genug liest. Man muss – so glaube ich – das Lesen immer wieder trainieren. Wer sich jedoch in seiner Freizeit nur von Hörbüchern und -spielen berieseln lässt, dem fehlt die Lese-Routine.

Und nun komme ich zur Beantwortung der Frage, wie ich auf meine obigen Thesen komme. Es ist ganz einfach: Ich beobachte mich und meine Mitmenschen. Den (meiner Meinung nach negativen) Einfluß von 1. und 2. kann ich bei meinen Neffen beobachten. Denn ich habe immer das Gefühl, dass sie nach mehr als einer viertel Stunde nicht mehr in der Lage sind, sich auf eine (sic!) Sache zu konzentrieren. Also auch nicht aufs Lesen. Und wenn ich immer nur fünfzehn Minuten pro Tag lese, dann brauche ich auch für ein Taschenbuch Tage und Wochen. Vor allem, wenn ich noch nicht so schnell lese, wie ich es heute kann.

Die Punkte 3. und 4. konnte ich besonders an einem ehemaligen Kollegen und Team-Mitglied (ich war der Team-Leiter) beobachten. Auch dieser Kollege war nicht wirklich in der Lage, sich Wissen aus einem Buch anzueignen. Bücher dienten bei ihm eher als Kaffeetassen-Untersetzer denn als Wissens-Quell. Es war ihm anscheinend nicht vergönnt, sich ein Fachbuch zu schnappen und auch mal eine Stunde darin zu schmökern und die inhaltsvollen Sentenzen in sein Hirn aufzunehmen. Und was soll ich sagen, als ich ihn mal darauf ansprach: „Ich lese halt nicht so gerne. Und wenn überhaupt nur ein Hörbuch.“ (Wie man ein Hörbuch lesen kann, ist mir auch nicht so ganz klar geworden. Aber lassen wir das.)

Der Wert von Büchern wird heute nicht mehr als solcher wahrgenommen. Wichtiger als eine gut bestückte Bibilothek (oder nicht so hochtrabend: Bücherregal / -schrank) ist es anscheinend heutzutage wichtiger, sämtliche Folgen irgendeiner Fernsehserie auf DVD zu haben und sich diese gequirlte Sch… diesen Unsinn auch noch regelmäßig zu konsumieren. Auch der ganze andere Elektroschrott (Playstation und Konsorten) ist wichtiger als Bildung. Und Lesen bildet halt. Ich werde immer wieder gefragt, warum ich so viel wisse. Meine Antwort verblüfft die Fragenden immer wieder: Lesen, lesen, lesen! Und sich vor allem nicht jeden Seich in der Glotze anschauen, der da so über den Äther gesendet wird.

Ein Frage ist allerdings offen geblieben: Was hat das alles mit diesem Blog zu tun? Ganz einfach: Ich bin Software-Entwickler! „Und was hat das mit Lesen zu tun?“, mag sich jetzt der Eine oder Andere fragen. Auch hier fällt die Antwort recht schlicht aus: Ohne Lesen keine Wissensmehrung und ohne Wissensmehrung irgendwann arbeitslos. Es gibt wohl keine Branche, in der Wissen so schnell wertlos wird und durch neues Wissen ersetzt werden muss, wie die IT-Branche. Und da man nicht für jedes neue Projekt erst einmal ein Seminar besuchen kann, bleibt hier nur der Weg, dass man sich neues Wissen anlesen muss. Und daher mein Fazit: Lesen ist eine Kernkompetenz auch und gerade in IT-Berufen! Ob ich jetzt im Web lese oder ein Buch in Hand nehme, ist hierbei egal.

Somit schließt sich also der Kreis und ich beglückwünsche alle, die bis hier durchgehalten haben.  Ich wünsche allen Lesern noch einen schönen Tag des Buches!

Ich setz‘ mich jetzt in den Sessel und lese 😉

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